Der Name „Dante“ ist jedoch mehr als eine historische Referenz. Er steht für Bildung, die Grenzen überwindet, für politische Mäßigung statt Extremismus, für kulturelle Identität in europäischer Vielfalt und für die Kraft der Sprache als verbindendes Element. Als junger Politiker setzte sich Dante für einen unabhängigen, ausgewogenen Kurs seiner Heimatstadt ein, wurde jedoch 1302 verbannt und durfte nie zurückkehren. Dieses biografische „Verirren“ spiegelt sich im berühmten Anfangsvers der Commedia: „In der Mitte unseres Lebenswegs fand ich mich in einem dunklen Wald.“ Im Exil entwickelte Dante die Vision eines Europas, in dem geistliche und weltliche Macht getrennt sind und Frieden möglich wird.
Als Kulturstifter erkannte Dante, dass politische Einheit ohne sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeit nicht bestehen kann. Deshalb schrieb er nicht nur auf Latein, sondern bewusst im toskanischen volgare und legte damit den Grundstein für die italienische Literatur und Sprache. Erst auf dieser Basis konnte sich später ein italienisches kulturelles und politisches Selbstverständnis entwickeln.
Für unsere Schule bedeutet der Name „Dante“ keine erstarrte Rückschau auf die Vergangenheit, sondern ein Bildungsverständnis, das über Fächergrenzen hinausdenkt, Extremem widerspricht, kulturelle Vielfalt wertschätzt und Sprache als Brücke begreift. Ein Dante‑Gymnasium ist ein Ort, an dem dieses Erbe lebendig bleibt: durch Offenheit, Bildung, Dialog und die Bereitschaft, die Welt mit klarem Blick und humanistischem Anspruch zu gestalten.