Liebe Eltern,
mit dem Übertritt auf eine
weiterführende Schule beginnt für Ihr Kind ein neuer
Lebensabschnitt. Sie begleiten es auf diesem Weg und wollen ihm die
Förderung zukommen lassen, die es für eine gelingende
Lebensgestaltung braucht.Die Religionslehrerinnen und Religionslehrer
möchten Sie bei dieser Aufgabe unterstützen und dabei mit
Ihnen zusammenarbeiten.
In einer sich zunehmend rascher
verändernden Welt wird Ihr Kind vor immer neue Herausforderungen
gestellt. Um hier Zuversicht, Selbstvertrauen und Orientierung zu
gewinnen, benötigt es Unterstützung und altersgerechte
Möglichkeiten der Persönlichkeitsbildung.
Im Religionsunterricht wird ein
schulischer Raum eröffnet, in dem junge Menschen ihre Fragen nach
Gott und der Welt, ihre Erfahrungen und Hoffnungen, aber auch ihre
Zweifel und Suchbewegungen artikulieren können. Dabei werden sie
von den Religionslehrkräften auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden
begleitet und ermutigt, persönliche Standpunkte zu entwickeln.
In der vielfältigen Begegnung
mit dem christlichen Glauben, aber auch mit anderen Religionen und
Weltanschauungen erhalten die Kinder und Jugendlichen die
Möglichkeit, sich religiöse Bildung und Dialogfähigkeit
anzueignen. Auf dem Hintergrund christlicher Vorstellungen werden
Toleranz, Mitmenschlichkeit und die Sensibilität
gefördert, Verantwortung bei sozialen und ethischen Entscheidungen
zu übernehmen. Von einem Ansatz her, der den ganzen Menschen im
Blick hat, wollen die Religionslehrerinnen und Religionslehrer zudem
Angebote unterbreiten, spirituelle Dimensionen des Lebens kennen zu
lernen und in altersgemäßer Weise zu erproben.
Junge Menschen haben große Fragen...
Was war vor dem Nichts?
Hat die Welt einen Sinn?
Woher kommen wir, wohin führt das alles?
Gibt es Gott? Und: Was hat er mit mir zu tun?
Es macht das Menschsein aus, solche
Überlegungen anzustellen. Im Religionsunterricht geht es darum,
diese Gedanken wachzuhalten, zu fördern und aus christlicher
Orientierung nach tragfähigen Antworten zu suchen.
Bei ihrem Nachdenken begegnen die Schülerinnen und Schüler Lehrkräften, die sich mit ihnen auf den Weg machen
und für ihre Fragen offen sind.
Lebensentwürfe und Persönlichkeitsbildung
In einer Welt, die eine Vielzahl an
Meinungen und Lebensentwürfen anbietet und immer
unübersichtlicher wird, ist es gerade für junge Menschen
schwer, sich zurechtzufinden. Im Religionsunterricht bekommt Ihr Kind
die Möglichkeit, Lebensperspektiven zu entwickeln.
Woran soll ich mich halten? Wie möchte ich später leben? Was mache ich, wenn es Probleme gibt?
Eine intensive Beschäftigung mit solchen Fragestellungen kann dabei helfen, die eigene Persönlichkeit zu festigen.
Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft
Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild. Deshalb hat er eine unantastbare Würde, ist einzigartig und verdient Wertschätzung.
Vor diesem Hintergrund nehmen die
Schülerinnen und Schüler Unrecht und Leid in der Welt
aufmerksamer wahr. Sie werden sensibel für diese Nöte und
angeregt, im Sinne der Nächstenliebe zu handeln.
Soziale und ethische Fragen
Der technische Fortschritt und die
scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten einer sich immer
rasanter verändernden Welt machen ein hohes Maß an ethisch
begründeter Mitgestaltung nötig. Die Religionslehrkräfte
möchten die Kinder und Jugendlichen zu einem verantwortlichen und
achtsamen Umgang mit Mensch und Natur hinführen. Ausgehend vom
lebensfördernden Charakter der biblischen Botschaft sollen sie im
Religionsunterricht befähigt wer-den, in sozialen und ethischen
Fragen einen begründeten Standpunkt zu beziehen und argumentativ
zu vertreten. Sie können so auch bei schwierigen
Entscheidungsprozessen Verantwortungsbereitschaft entwickeln.
Tiefendimensionen von Leben und Welt
Zum Leben gehören auch das
Innehalten und Verweilen. Junge Menschen können staunen, sie
können Grenzen des Begreifens als spannungsvolles Geheimnis
wahrnehmen.
In spirituellen Angeboten wie
Meditation und Gebet, Gottesdiensten und Einkehrtagen lernen sie,
Spuren Gottes in der Wirklichkeit zu entdecken. Diese Dimensionen des
Zugangs zur Welt geben dem Leben Tiefe, sie können zu wichtigen
Lebensquellen werden.
Religion gehört zum Bildungsauftrag der Schule
Die Religionslehrkräfte wollen
Schülerinnen und Schülern helfen, die Welt zu verstehen.
Zu einer umfassenden Bildung zählt dabei auch die
Auseinandersetzung mit dem christlich geprägten Hintergrund
der abendländischen Kultur. Um sich in der heutigen Gesellschaft
orientieren zu können, brauchen die der Schule anvertrauten Kinder
und Jugendlichen auch Wissen über christliche Traditionen und ihre
Wurzeln.
Viele Bedeutungsgehalte in
Literatur und Bildender Kunst, Musik und auch in der Werbung werden
erst mit Kenntnissen der Bibel und der christlichen Überlieferung
verständlich. Bezogen auf die Herausforderungen unserer Zeit und
die Fragen junger Menschen wollen die Lehrkräfte im Rahmen eines
konfessionellen Religionsunterrichts mitwirken, Ihrem Kind die
religiöse Dimension der Wirklichkeit zu erschließen.
Andere Religionen und Kulturen
Im gesellschaftlichen Zusammenleben
nehmen Religion und Kultur eine bedeutsame Rolle ein. Um
Angehörige anderer Glaubensrichtungen mit ihren jeweiligen
Lebensweisen besser zu verstehen, sind Zugänge zu fremden
Religionen und Weltanschauungen wichtig. Die Religionslehrkräfte
vermitteln wichtige Grundlagen dafür. So lernen die jungen
Menschen, Mitschülerinnen und Mitschülern verschiedenen
Glaubens mit Respekt und Toleranz zu begegnen. Auf diese Weise werden
sie sich auch ihrer eigenen Identität bewusst und können eine
kirchliche Standortbestimmung anbahnen.
Weltgestaltung und gemeinsame Zukunft
Wie wir Erwachsenen aufgefordert sind, unseren Kindern eine
lebenswerte Welt zu hinterlassen, so muss bereits die junge
Generation ein Bewusstsein für die Bewahrung von Gottes
Schöpfung entwickeln. Der Religionsunterricht trägt auf diese
Weise zur Bildung zentraler Werte wie Einsatz für Gerechtigkeit
und Frieden bei.
Dieses Engagement beginnt schon im
kleinen Rahmen des Klassenzimmers und wird im Schulleben
beispielsweise durch Anleitung zur Konfliktbewältigung und
Projekte zu sozialen Aufgaben gefördert.