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Der MenschWer war denn überhaupt dieser Dante,
nach dem unsere Schule benannt ist?
Ein mittelalterlicher italienischer Dichter,
meist dargestellt mit einer markanten Hakennase und lorbeerbekränzt, wie
auch die Büste im Eingangsbereich unserer Schule bestätigt, berühmt
geworden durch sein Hauptwerk,
Die Göttliche Komödie,
(La divina commedia),
das gar keine Komödie im landläufigen Sinn ist,
sondern ein Epos, und das Dante selbst auch nicht »göttlich« genannt hat,
sondern sein erster großer Interpret Giovanni Boccaccio, Verfasser des
Decamerone. Vielleicht ist es sinnvoller, andersherum zu fragen und zu untersuchen, was die Figur Dante Alighieris auszeichnet und
welche Schlussfolgerungen wir aus dem Namen unserer Schule ziehen könnten.
Dies sind die Eingangsverse der Divina commedia, die wir sehr leicht auf Dantes Biographie beziehen können: Er wird von seinen politischen Gegnern aus Florenz verbannt, bei Rückkehr droht ihm die Todesstrafe. Doch der bedrohliche Wald ist nicht nur Sinnbild der persönlichen Desorientierung eines Individuums, sondern steht für die politische und kulturelle Zerrissenheit von Florenz und Italien insgesamt, an der der Intellektuelle Dante leidet und die er überwinden will. |
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Die Politik In dem seine Zeit beherrschenden europäischen Konflikt zwischen römischem Papst und deutschem Kaiser, unter dem besonders die nord- und mittelitalienischen Klein- und Stadtstaaten zu leiden haben, nimmt Dante zunächst auf Seiten der ‘weißen’ Guelfen einen mittleren Standpunkt ein, von dem aus sich Florenz in gleicher Distanz zu Kaiser und Papst möglichst viel politischen Freiraum erhalten soll. Den papsttreuen ‘schwarzen’ Guelfen ist der auf Ausgleich bedachte Diplomat Dante ein Dorn im Auge, sie entheben ihn in Abwesenheit seiner Ämter und verbannen ihn aus der Stadt. In der zweiten Hälfte seines Lebens kommt Dante auch durch seine Erfahrungen im diplomatischen Dienst vieler oberitalienischer Herren mehr und mehr zur Überzeugung, dass nur die strikte Trennung von geistlicher und weltlicher Macht, ein vereinigtes Europa unter einem aufgeklärten weltlichen Herrscher den mörderischen Kriegen und Machtkämpfen ein Ende bereiten könnten. Seine Überlegungen schreibt der Gelehrte nieder in dem lateinischen Traktat De monarchia (ca. 1313). 1315 bieten die Herren von Florenz Dante die Rückkehr an, zu Bedingungen, die denjenigen für begnadete Kriminelle entsprechen. Er bleibt im Exil und wird ein weiteres Mal zum Tod verurteilt. |
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Die KulturDante hat erkannt, dass übergeordnete politische Strukturen nur dann überlebensfahig sind, wenn sich die in ihnen Lebenden mit ihnen identifizieren und in ihnen kommunizieren können. Dies ist der Anstoß für ihn, neben der Gelehrtensprache Latein auch die Sprache des Volkes, das volgare, in seinem Fall den Dialekt der Toskana, als Schriftsprache zu verwenden. Fasst er seine theoretischen Überlegungen auch hierzu auf Lateinisch ab (De vulgari eloquentia, 1305), so entscheidet er sich als Literat für das volgare und begründet im Wesentlichen damit, insbesondere in seinem Hauptwerk, der Divina Commedia, die italienische Literatur und die italienische Sprache. Erst auf der Basis der Werke Dantes wird eine Herausbildung der kulturellen Identität Italiens und, sehr viel später, der politischen Einheit möglich. Wozu ermahnt uns mehr als 650 Jahre nach seinem Tod im Exil in Ravenna also der hakennasige, lorbeerbekränzte Kopf, unter dessen strengem Blick wir täglich hindurchmarschieren und dessen Name uns auf jedem Briefkopf, auf jedem Formular und in jedem Gespräch über die Schule begegnet? Nicht in erster Linie zur Ehrfurcht vor der Vergangenheit, zur musealen Bewunderungen eines Großen der Weltliteratur, sondern zur Überwindung engen Schubladendenkens durch ganzheitliche Bildung, zum Kampf gegen Extreme und Dogmatismus, zur Bewahrung der kulturellen Identität in der europäischen Vielfalt und letztlich zum Bemühen um die Versöhnung von Geist und Macht. Auch wenn Dante selbst daran gescheitert ist, ist ein Dante-Gymnasium der Ort, an dem dieses Erbe des Florentiners besondere Bedeutung haben muss. |
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Dr. Andreas Jäger |